Wenn Worte fehlen

Es gibt Situationen, da wächst mir mein eigenes Leben sprichwörtlich über den Kopf. Es sind diese Phasen, in denen man die eine Diagnose allmählich in ihrem vollen Umfang zu begreifen versucht und die nächsten Herausforderungen bereits schon wieder warten.

So auch dieser Tage geschehen. Während ich noch mit meiner Brugada-Diagnose hadere, steht bereits der nächste Termin an, der wiederum zwei weitere Klinikbesuche zur Folge hat.

Früher wäre ich gepflegt in meiner Timeline eskaliert und hätte damit, wie so oft, einen erheblichen Schaden angerichtet. Wer macht sich schon die Mühe verstehen zu wollen, was da gerade mal wieder in mir passiert. Ergo: Spinner, Stempel drauf und abgehakt.

Manchmal muss man zunächst Ruhe in sich finden

Im Zuge meiner stationären Therapie habe ich gelernt, in solchen Situationen nach Möglichkeit ‘bei mir’ zu bleiben und zunächst Ruhe ‘in mir’ zu finden und eben nicht, wie so oft geschehen, jegliches Maß zu verlieren und wild polternd durch die Timeline zu jagen, weder Freund noch Feind kennend.

Wenn ich also in den letzten Tagen etwas wortkarg war, dann bestimmt nicht, weil ich ein Problem mit Menschen habe, sondern weil es mir einfach extrem schlecht geht und ich zunächst mein kleines Chaos für mich ordnen möchte.

Auch muss ich für mich eine Entscheidung treffen, in wie weit ich zukünftig Menschen an mich heranlassen, bzw. in mein Leben lassen kann. Schließlich vermag ich nicht zu sagen, was in den nächsten Jahren mit mir passieren wird oder eben auch nicht. Das ist eine Last, die ich alleine schultern muss und die ich keinem anderen  aufbürden darf. Es wäre schlicht und ergreifend egoistisch und unfair.

Natürlich kämpfe ich mit mir, diese eben gewonnene Freiheit und die Lust am Leben nicht direkt wieder zu verlieren aber es gibt Situationen, in denen man die Fakten einfach nicht wegwischen kann und erst einmal sortieren muss. Schlimmer wäre es, hinter einer lachenden Maske zu weinen. Mag sein, dass es Menschen gibt, die das perfektioniert haben. Mir fehlt dazu die Kraft und auch der Wille.

Auch ich habe trotzdem ein Herz, Gefühle und natürlich auch Pläne

Ich bin ich und das eben manchmal auch ganz still. Dann, wenn mir einfach die Worte fehlen, weil das Leben gerade einmal nicht ganz so sorglos daher kommt, wie wir alle es uns doch so sehr wünschen.

Sorglos wird es für mich nie mehr werden. Ich muss nur zunächst einen Weg finden, eben genau mit dieser neuen Situation angemessen umzugehen. Mit ihr leben zu lernen, so lange es nur möglich ist. Denn dafür und das ist unbestritten, ist das Leben einfach zu wertvoll. Auch ich habe noch Pläne.

1 Kommentar zu Wenn Worte fehlen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.