Von Gesten und Sprüchen

Heute widme ich mich einmal wieder einer Thematik aus meinem #notjustsad-Leben.

Dieser Punkt ist mir gestern in einem Gespräch wieder einmal so richtig bewusst geworden und hat mich schmerzlich daran erinnert, was mir in meinem Leben schon so alles aus dieser Richtung widerfahren ist.

Sicherlich kennt jeder die Situation in der einem, von wem auch immer, ein dummer Spruch an den Kopf geworfen wird oder einen jemand verächtlich anblickt.

Eine Sache die mich eigentlich schon mein Leben lang begleitet und mit der ich bis heute nicht wirklich klar komme. So war es bereits in meiner Kindheit ein Leichtes, mich mit einer Bemerkung meiner Eltern komplett aus der Spur zu werfen.

Bewusst oder unbewusst war dies offenbar ab einem gewissen Zeitpunkt Teil meiner Erziehung. Man hat mir eigentlich niemals wirklich gesagt “mach es so oder so das ist besser” sondern vielmehr “mach was du willst aber erwarte ja keine Unterstützung wenn es schief geht”.

Selbst wenn ich die besten und tollsten Ideen gehabt hätte, ich hätte sie, solange ich noch auf Unterstützung angewiesen war, niemals umsetzen können. Andere haben schon sehr früh für mich bestimmt was gut, was schlecht ist und wie mein Weltbild auszusehen hat.

Auch heute unterliege ich einem selbst auferlegten Zwang, jede Entscheidung einer gründlichsten Prüfung und Abwägung zu unterwerfen, bevor ich mich dafür oder dagegen entscheide. Eine Fehlentscheidung und ein daraus resultierender Misserfolg wäre fatal und würde mir ohne zu zögern als Versagen vorgehalten.

Bei allem was ich mir kaufe oder was ich tue, laufe ich permanent der Gefahr, dass es nicht den in mich gesetzten Erwartungen entspricht und ich dafür in irgendeiner Weise abgestraft werde. Auch heute gibt es Dinge über die ich mich persönlich freue und auf die ich auch stolz bin, die ich aber bewusst für mich behalte, um eben nicht in dieses unerbittliche Messer der “Nichtakzeptanz” zu laufen.

Aber nicht nur Ideen, auch Freunde oder Bekannte, die nicht ins häusliche Weltbild passten wurden mir so lange mit abfälligen Bemerkungen oder verächtlichen Blicken madig gemacht, bis ich mich von ihnen zurückgezogen habe. Beim nächsten Streit wurde mir dann wiederum vorgehalten, dass ich mich ja nicht wundern müsse, dass ich keine Freunde hätte. Ein ewig währender Teufelskreis.

Es hat mir materiell an nichts gefehlt und ich hatte eine behütete Kindheit nur Akzeptanz, die hatte ich nie wirklich sondern nur so lange ich mich in fest definierten Grenzen bewegt habe. Habe ich die verlassen, drehte sich der Wind binnen Augenblicken.

Selbst heute würde ich niemals auf meinem eigenen Grund und Boden eine Feier veranstalten, weil ich gewiss sein könnte, dass mir irgendwas davon um die Ohren fliegen würde und ich einen immens hohen Preis in Form nonverbaler Repressalien zu zahlen hätte.

Von daher ist es nicht untertrieben zu sagen, dass ich schon immer in meinem Leben, bis zum heutigen Tag, fremdgesteuert war und mit verbalen und nonverbalen Argumenten beeinflusst wurde und teilweise auch immer noch werde. Ich habe es nie geschafft mich aus dieser Spirale zu befreien, weil mir über die Jahre jegliches Selbstvertrauen abhanden gekommen ist.

Nicht ohne Grund bringen mich Menschen, die den lieben langen Tag mit hängenden Mundwinkeln und düsterem Gesichtsausdruck durch die Gegend laufen regelmäßig auf die Palme. Unser Vorturner, Meister auf diesem Gebiet, ist so ein Kandidat den ich Tag für Tag ertragen muss. Auch er beherrscht das Spiel mit Bemerkungen und Gesten andere zu verletzen perfekt.

Niemals würde er konkret eine Kritik vorbringen sondern vielmehr über Wochen mit Blicken abstrafen, denen niemand lange standhalten kann.

Der eine denkt “Leck mich einfach” aber mich treffen solche Attacken in der Regel richtig und vor allem nachhaltig. Noch Tage danach beschäftige ich mich damit und suche die Fehler oder bin wütend.

Nicht umsonst gebe ich auch meinem Arbeitgeber eine nicht unerhebliche Mitschuld an meiner Situation, denn dieses Spiel geht nun seit über zwanzig Jahren mit wenigen Unterbrechungen über zwei Generationen.

Natürlich bin ich zwischenzeitlich in der Lage in solchen Situationen einen knallharten Konfrontationskurs zu fahren aber Probleme löst das beileibe nicht. Ganz im Gegenteil.

Viel schlimmer wiegen solche nonverbalen Strafen aber bei Menschen, die mir wirklich nahe stehen und etwas bedeuten. Hier birgt jeder dieser Schläge ein Vielfaches an Gewalt als bei Menschen, die mir schlichtweg egal sind.

Ich kann natürlich nicht erwarten, dass ein “normaler Mensch” nachvollziehen kann, wie sehr einen Menschen wie mich solche Aktionen treffen aber vielleicht kann ich mit meinen Zeilen wenigstens den einen oder anderen ein klein wenig zum nachdenken anregen.

Von mir gibt es nämlich viele da draußen und wir kämpfen jeden Tag aufs Neue, um nicht zu fallen.

Für euch ist es nur eine kleine Achtsamkeit. Für mich ist es eine Welt.

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