Bald ist es so weit!

Bald ist es so weit und der Teufel kann sich endlich wieder an den Ort verkrümeln, an dem er eigentlich tief in seinem Herzen schon sehr lange zu Hause ist. In seine geliebten Berge.

Es sind diese schönen Momente im Jahr, die bei aller Problematik des täglichen (Über-)Lebenskampfes im Moment einen ganz großen Bereich meiner Gedanken einnehmen und ja, ich freue mich tatsächlich auf diese drei Wochen. Eine Zeit, die ich gemeinsam mit ganz tollen Menschen verbringen werde und natürlich auch eine Zeit für mich, in der ich so viel wie möglich in der Natur sein und mir all die Sorgen, Ängste und dunklen Gedanken von der Seele laufen möchte.

Bereits seit Wochen bin ich immer wieder etwas Neues am tüfteln, damit diese Zeit ein Granaten-Erfolg wird. Das was ich ich in wenigen Wochen an Ideen umgesetzt habe, blieb für mich viele Jahre schlichtweg unerreichbar. Zu dunkel war meine Welt und zu kraftlos war mein Körper.

IMG_0263Im vergangenen Jahr waren die Berge beinahe mein Untergang, denn mir wurde dort zum ersten Mal bewusst, dass ich bereits mit einem Bein über dem Abgrund stehe. Fast hätte es diesen Urlaub und damit auch die Chance diese Welt vielleicht wieder in all ihren Farben zu sehen und anzunehmen nicht gegeben.

Es war auch das Jahr, an dem ich nach fast zwei Jahrzehnten das erste Mal ohne meine Partnerin unterwegs war. Unterwegs zu Orten, die wir oft gemeinsam besucht oder besser erwandert hatten und die mit schönen Erinnerungen beladen waren. Es war in weiten Teilen eine sehr schmerzhafte Erfahrung und manchmal hätte ich gerne die wenigen tollen Augenblicke mit ihr oder überhaupt mit einem Menschen geteilt.

Es war für mich der schwerste Gang schlechthin, denn wir waren dort unten über Jahre bekannt wie der sprichwörtlich “Bunte Hund” und plötzlich war nur noch ich alleine da. Leicht nachvollziehbar, dass dies bei vielen Freunden und Bekannten Fragen aufgeworfen hat. Schmerzliche Fragen.

Aber dieses Jahr bin ich über dieses Thema Gott sei Dank hinaus und doch ist bei allem Positiven einiges anders.

Bin ich im letzten Jahr noch unwissend und ohne bestimmtes Ziel durch die Bergwelt marschiert, muss ich mich in diesem Jahr damit auseinandersetzen, dass ich jetzt mit einem Herzfehler unterwegs sein werde. Eine kleiner fieser Gendefekt, der für mich schlagartig lebensbedrohlich werden kann. Ich schreibe bewusst “kann”, denn ich gehe natürlich davon aus, dass das nicht passieren wird.

Dennoch muss man diesen Fall als Allein-Tourengeher natürlich in seine Überlegungen einbeziehen und nicht zuletzt ist man auch seinen Angehörigen gegenüber verpflichtet, dass sie im Ernstfall nicht plötzlich vor ungeahnten Problemen und Kosten stehen oder gar der Teufel wochenlang spurlos verschollen bleibt. In dieser Region beileibe leider kein Einzelfall.

Also wurden zusätzlich zur in diesem Jahr erheblich aufgewerteten Ausrüstung auch entsprechende Versicherungen abgeschlossen, die im Ernstfall selbst die Kosten einer Todbergung in vollem Umfang übernehmen.IMG_0262 Auch der rollende Hausstand muss schließlich abgebaut und irgendwie nach Hause kommen.

Ein Thema, dass für manchen befremdlich wirken mag aber für mich seit meiner Diagnose leider ein Punkt, den ich nicht mehr unbeachtet lassen kann und darf.

Auch wird es in diesem Jahr eine Dokumentation geben, wo genau ich mich in den Bergen, auf welcher Route herum treibe und selbst das mitgeführte GPS-Gerät kann von einer vertrauten Person geortet werden, so ich zu einer vereinbarten Zeit nicht wieder auf der Bildfläche erscheinen sollte.

Von daher lässt mich zumindest dieser Punkt ruhiger schlafen. Wobei es mir hierbei eigentlich niemals um mich ging. Ich habe keine Angst vor dem Tod aber ich habe Angst vor der Verzweiflung derer, die zurückbleiben.

Ihr seht also, bei aller Freude ist auch die dunkle Welt immer nur einen kleinen Schritt weit entfernt. Wichtig ist es jetzt nur, diesen Abstand beizubehalten und ihr keine Macht zu geben.

In diesem Sinne…

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