Ein fast normaler Tag

Fast wäre es ein ganz normaler Samstag geworden. Ja sogar einer der besseren in diesem ganzen düsteren Einerlei. Die Sonne scheint, es ist Bombenwetter und die Laune ist auch irgendwo oberhalb der Kellerdecke. Zumindest für den Moment.

Gut, die letzte Nacht war wieder einmal der blanke Horror. Das Tagewerk für heute wurde in aberwitzigsten Albträumen aufgearbeitet und entsprechend schlecht war der Schlaf. Da war man fast glücklich, dass endlich die Sonne am Horizont hervor kam und man aus seinem Bett kriechen konnte. Ich bin mir zwar nicht sicher, warum dies so dramatisch war aber ich habe einen Verdacht hinsichtlich einer Wechselwirkung von Medikamenten.

Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass es gerade mal 6:30 Uhr war aber egal. Der Ortslandwirt, bei dem mein rollendes Eigenheim untergestellt ist, war auch schon unterwegs und von daher war für mich der Weg zu meinem Spielzeug ohne größere Umparkmanöver frei.

Schnell noch einen Kaffee, rein in die Klamotten und Schlag 7:00 Uhr rollte dieses Mal das gesamte Gespann in Richtung Betrieb und Waschhalle. Besser kann ein Tag nicht beginnen, als dem Zeitplan weit voraus zu sein.

Einige Stunden später glänzt das Reisemobil samt Tieflader wie neu und der Teufel ist klatschnass geschwitzt aber glücklich.

Wenn ich immer wieder sehe, mit welchen verdreckten Kaschemmen manche unterwegs sind, würde ich mich schämen auch nur mit einem Staubkorn zu viel auf dem Bock in den Urlaub zu fahren. Und komm’ mir jetzt bloß keiner mit dem abgedroschenen Spruch “Gebrauchsgegenstand”! Sau bleibt Sau, da helfen auch keine Ausreden. Punkt!

So weit, so gut.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war die niederschmetternde Nachricht, dass mein kleiner Freund wohl auch keine schöne Nacht hatte und als ich nach Hause kam, war ihm dies auch deutlich anzusehen.

Die Kräfte schwinden allmählich und wir quälen uns mehr und mehr mit der Frage, ob das, was wir da tun noch richtig ist. Er hat keine Schmerzen, frisst aber man sieht auch, dass die Lebensgeister jeden Tag ein klein wenig mehr schwinden. Würde man den armen Kerl nicht immer daran erinnern zu trinken, er würde glatt vertrocknen. Aber wir haben ihn behütet und waren für ihn als Welpe immer da und so werden wir ihn auch jetzt auf seinen letzten Wegen begleiten, auch rund um die Uhr. Wie sehr man sich mit solch einer Situation quält und wie unendlich weh das tut, wird jeder Tierbesitzer verstehen. Was soll man tun? Was ist richtig und was ist falsch? Wir wissen es nicht.

Die Besserwisser, Kritiker und Moralapostel dürfen an dieser Stelle schweigen. Im eigenen Interesse und zur Erhaltung einer uneingeschränkten Gebissfunktion!

Und dann ist da ja auch immer noch diese Sache mit dem Vertrauen.

Es macht mich richtig wütend und traurig, wie schnell sich Menschen, die genau dies immer wieder von einem einfordern, selbst binnen weniger Augenblicke komplett ad absurdum führen und auf ganzer Linie unglaubwürdig machen. Gut, es wäre nicht das erste Mal aber da bekommt der Vorwurf “Du bist nicht ehrlich zu mir” wieder mal eine ganz merkwürdige Bedeutung.

Allerdings ist es für mich auch nicht wirklich neu. Man erzählte mir leider schon zu oft in meinem bisherigen Leben Dinge und machte dann postwendend mit einer abgebrühten Selbstverständlichkeit genau das Gegenteil. Kein Wunder, dass ich jegliches Vertrauen in die Menschheit verloren habe und lieber für mich alleine bin und bleibe.

Gerade die letzten Wochen haben gezeigt, dass man auch von Menschen enttäuscht wird, von denen man es in dieser Form eigentlich niemals erwartet hätte. Auch da war Wunschdenken, Versprechungen und Realität nicht wirklich untereinander kompatibel.

Es hat ein bisschen was von unseren Politikern. Man fordert einerseits vom Volk einen knallharten Sparkurs, gönnt sich selbst aber Luxusgriffel für abertausende Euro und ist “natürlich” entsetzt, dass der gemeine Pöbel das nicht versteht.

Am Ende bleibt also wieder mal ein Teufel, dessen Tag eigentlich perfekt angefangen hat aber wie so oft sich seit wenigen Stunden mit einem Affenzahn genau ins Gegenteil entwickelt.

Das Schlimme daran – er ist noch nicht einmal um und ich fürchte, diese bittere Pille ist noch nicht wirklich ganz unten angekommen. Da ist noch Luft. Nach unten!

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