Einfach nur glücklich

Natürlich lässt es sich der Teufel nicht nehmen auch einen Blog-Beitrag aus seinem Urlaub zu schreiben.

Jetzt sind sie also da, diese lang ersehnten drei Wochen Freizeit, Berge und einfach nur abschalten. Es war Zeit, höchste Zeit.

Blicken wir noch einmal kurz zurück ins vergangene Jahr. Auch da war ich an diesem Ort. Diesmal allerdings bereits mit einem Fuß über dem Abgrund, denn die Depression und der Wunsch dieses Leben für immer zu verlassen war zu diesem Zeitpunkt bereits übermächtig.

Wie ich heute weiß, haben dies meine vielen Freunde hier unten auch bemerkt aber niemand hatte sich getraut zu fragen und sie atmeten immer wieder erleichtert auf, als ich am Ende eines Tages unversehrt aufgetaucht bin. Ich habe ihnen in diesem Jahr erzählt was mit mir los war und was in der Zwischenzeit alles mit mir geschehen ist. Sie waren allesamt erschrocken, doch erfreuten sich auch daran, wie ich mich mittlerweile wieder zu meinem Vorteil verändert habe.

Ein sehr schönes Kompliment und es tut natürlich gut so etwas zu hören. Zeigt es doch, dass sich der Kampf um sein Leben lohnt und richtig ist.

Deutlich wurde mir dies bereits am Tag der Anreise. Auf der Fahrt vernahm ich ein leises, rhythmisches Quietschen aus dem Bereich der Hinterachse meines Reisemobils. Nur zu gut kannte ich dieses Geräusch. Es deutete auf einen hängenden Bremszylinder hin und hätte mir beinahe das rollende Eigenheim unter dem Hintern abgefackelt. Die Handbremse einen Zahn angezogen, Quitschen weg. Damit war die Diagnose klar.

Früher hätte das bereits ausgereicht, den gesamten Urlaub sofort in Frage zu stellen und mich in ein tiefes Loch zu stürzen. In diesem Jahr war das anders. Kurz die Entfernung abgeklärt, gemütlich aber vorsichtig weiter gefahren und vor Ort erst einmal das ganze Gerödel unbeeindruckt aufgestellt. Am Abend den Laptop rausgeholt, Ersatzteile bestellt und kurzer Hand beschlossen, den Defekt direkt vor Ort und quasi im freien Feld zu reparieren. Werkzeug ist immer an Bord, wie es geht weiß ich sowieso und von daher nichts, was mir die Freude am Urlaub verderben sollte.

Da war er wieder. Der alte Teufel von früher. Der Macher, der sich von nahezu nichts beeindrucken lässt und der für fast jedes Problem eine Lösung findet. Ein unbeschreiblich gutes Gefühl nach Jahren in denen mich ein Windhauch umgehauen hätte.

Natürlich habe ich dann auch die Reparatur, unter ungläubiger Beobachtung meiner Freunde, innerhalb von 1,5 Stunden bewerkstelligt und somit steht einer entspannten Heimfahrt auch nichts im Wege. Geht doch und ja, ich war mächtig stolz auf mich.

Plötzlich sieht man wieder Farben

Das sollte sich fortsetzen. Bei traumhaftem Wetter startete ich meine erste Tour in die geliebten Berge. Erst einmal nichts spektakuläres sondern gemütliches eingewöhnen. Schließlich sind die Steigungen hier schon etwas knackiger als zu Hause und da sollte man es nicht direkt übertreiben.

Schon auf den ersten Metern war mir klar, dass etwas anders ist. Ich konnte endlich wieder etwas empfinden. Die Landschaft genießen, mich an Kleinigkeiten erfreuen, ja ich hatte endlich wieder ein Bild in tausenden Farben, mit unendlichen Gerüchen und Geräuschen vor meiner Nase.

Oft blieb ich einfach stehen, lies den Blick über die wunderbare Landschaft hier unten schweifen oder lauschte den Geräuschen, die da um mich waren. Sei es der rauschende Bach oder die entfernten Glocken der Kühe auf ihren Weiden. All das hatte plötzlich wieder seinen Reiz für mich.

Endlich war ich wieder erschöpft wenn ich am Ziel angekommen war. Ich spürte endlich wieder eine Belastung und vor allem meine Grenzen. Im letzten Jahr bin ich gleich einer Maschine emotionslos auf jeden Berg gelaufen. Gespürt habe ich nichts mehr. Nicht einmal mehr meine körperliche Erschöpfung. Absolut nichts.

Der Teufel auf Abwegen

In diesem Jahr war irgendwie alles anders. Zwar fahre ich bereits seit über zehn Jahren immer mal wieder hier runter, einen Fuß in den See hatte ich allerdings noch nie gesetzt. Außer es war kein Wasser drin. So waren es meine schweizer Freunde die witzelten, wo die Hunde baden gehen, kann es für den Menschen nicht zu kalt sein. Somit war fast schon klar, dass ich in diesen See muss. Folglich kam dann auch an einem heißen Nachmittag das Kommando “Badihose alegge mir gang go bade”. Und oh Wunder, der alte Teufel ist tatsächlich mitgegangen und er hatte seinen Spaß. Für mich schlicht unglaublich. An diesem Tag sind für mich gefühlt keine Grenzen sondern komplette Bollwerke gefallen.

Regen! Ja und?

Am Samstag kippte das Wetter und ich wollte nun aber unbedingt auf einen Berg. Also kurzerhand noch etwas Feintuning an der der Ausrüstung vorgenommen und am Sonntag ging es dann auch los. Ziel war der Vilser Kegel in Tirol. Ein Berg, den ich nach der Routenbeschreibung im Internet als “möglich” einschätzte, um bei diesen widrigen Witterungsverhältnissen begangen zu werden.

Am so genannten Hundsarschjoch in knapp 1.700m Höhe war allerdings Ende. Der Aufstieg zum Vilser Kegel führte über einen schmalen Steig, der zu beiden Seiten mehrere Hundert Meter steil in die Tiefe ging. Das wäre nicht das Problem, denn durch den dichten Nebel hätte man nicht hinunter blicken können, allerdings war der Steig derart rutschig, dass dies als Alleinwanderer einem Himmelfahrtskommando gleich gekommen wäre.

Also gab es nur die sinnvolle Lösung von hier aus wieder ins Tal abzusteigen. Früher hätte ich das als Versagen auf ganzer Linie gewertet. Dieses Mal war ich stolz auf das Erreichte und die Entscheidung aus Vernunft nicht weiter aufzusteigen.

Auch das etwas was im letzten Jahr undenkbar gewesen wäre.

Endlich wieder zu Hause

Ich bezeichne diese Region hier unten gerne als meine zweite Heimat und genau so fühlt es sich in diesem Jahr endlich auch wieder an. Ich bin quasi zu Hause.

Jede Straße, jedes Geschäft und unendlich viele Menschen sind wieder “vertraut”. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl, denn ich fühle mich wohl hier. Richtig wohl.

Natürlich wäre es schön, man könnte dieses unbeschreibliche Gefühl mit einem Menschen teilen aber das ist bereits eine andere Geschichte.

2 Kommentare zu Einfach nur glücklich

  1. ich find’s beeindruckend wie die Ehrlichkeit des Schreiben zur Überwindung der Depressionen beitragen kann. Hätte ich vor Jahren auch gebraucht.

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